
Abschiedsinterview mit GESIBA-Vorstand Klaus Baringer
Herr Dr. Baringer, mit Jahresende endet Ihre Tätigkeit im Vorstand der GESIBA. Wie blicken Sie auf Ihre Zeit im Unternehmen zurück, mit welchen Gefühlen verabschieden Sie sich und was wird Ihnen besonders in Erinnerung bleiben?
Wien zählt zurecht zu den lebenswertesten Metropolen der Welt, ein wesentlicher Faktor dabei ist die gelebte Tradition des sozialen Wohnbaus. Das internationale Erfolgsmodell des gemeinnützigen Wohnbaus ermöglicht den Wiener*innen gemäß Statistik Austria (Mikrozenzus 2024) eine Durchschnittsmiete von € 8,80 brutto. Diese liegt damit um 28% unter der gewerblichen Durchschnittsmiete von € 12,20. Unsere Durchschnittsmiete im GESIBA Konzern liegt sogar bei nur € 8,06 brutto. Es ist ein gutes Gefühl, Verantwortung dafür mitgetragen zu haben, dass die GESIBA als eine der größten gemeinnützigen Bauvereinigungen Österreichs mit ihren qualitativ hochwertigen und sehr gut verwalteten Wohnungen einen wichtigen Beitrag zu einer lebenswerten Gesellschaft leistet, denn leistbares Leben beginnt bei leistbarem Wohnen.
Anfang 2026 übernimmt Herr Direktor Ing. Bmstr. Paul Steurer Ihre Funktion als Vorstandsvorsitzender und Herr Direktor MMag. Roland Böhm, LLM Ihre bisherige Rolle in der Finanzdirektion. Wie gestalten Sie die Übergabe, und was möchten Sie Ihren Nachfolgern besonders mit auf den Weg geben?
Die Übergabe erfolgt geordnet, transparent und im engen Austausch. Für mich war es wichtig, nicht nur Inhalte, Projekte und Kennzahlen, sondern auch die gelebte Unternehmenskultur und die Besonderheiten unseres gemeinnützigen Auftrags nachhaltig zu übergeben. Gleichzeitig braucht es an dieser Stelle keine Ratschläge mehr: Paul Steurer ist seit Jahrzehnten Teil der GESIBA und als Vorstand mit allen strategischen und operativen Themen bestens vertraut. Mit Roland Böhm ist 2024 zudem ein erfahrener Experte hinzugekommen, der die Finanzdirektion kompetent und verantwortungsvoll führen wird.
Ich weiß, dass beide ihre Aufgaben mit Professionalität, Weitblick und großem Engagement wahrnehmen werden. Deshalb verabschiede ich mich mit sehr viel Zuversicht – und mit dem guten Gefühl, dass die GESIBA zukunftsfit ist.
Das Zukunftsthema „klimafittes Wohnen“ ist in der Gegenwart angekommen. Auf welchem Weg sehen Sie die GESIBA hier – was wurde erreicht und wo liegen die nächsten Schritte in Richtung nachhaltiges Bauen, Sanieren und Wohnen?
Wir stehen an einem entscheidenden Punkt. Schon in den vergangenen Jahren haben wir begonnen, unsere Bauprozesse konsequent auf Nachhaltigkeit und Energieeffizienz auszurichten: durch innovative Heizsysteme, intelligente Gebäudeplanung und klimafreundliche Materialien. Besonders stolz bin ich auf die Fortschritte im Bereich der Sanierungen – denn hier liegt ein riesiger Hebel zur CO₂-Reduktion.
Die nächsten Schritte werden anspruchsvoll, aber notwendig sein: noch energieeffizientere Gebäudestandards, Leistbarkeit trotz steigender technischer Anforderungen und vor allem: das Wohnen klimafit zu machen, ohne soziale Barrieren zu schaffen.
Sie haben einmal betont, dass soziale Spannungen erst entstehen, wenn es eine Disparität im Wohnen gibt und betont, dass die Durchmischung von Menschen unterschiedlicher sozialer, wirtschaftlicher und weltanschaulicher Herkunft wichtig ist, um Konflikte zu verhindern. Welche Rolle spielt der gemeinnützige Wohnbau insbesondere die GESIBA, wenn es darum geht, genau dieses ausgewogene Zusammenleben zu fördern?
Diese Haltung ist für mich ein Grundpfeiler des gemeinnützigen leistbaren Wohnbaus. Wohnen ist ein Grundbedürfnis und Grundrecht. Es ist aber auch ein sozialer Raum, ein Lebensraum und ein Integrationsraum. Projekte wie Gemeindebau Neu, Schwerpunktquartiere für junge Menschen, Familien, Senior*innen oder Menschen mit speziellen Bedürfnissen zeigen, dass Vielfalt stabilisiert und den sozialen Frieden sichert.
Unser Markenzeichen fairliving beschreibt, was die GESIBA ausmacht und antreibt: verantwortungsvoll zu handeln und leistbaren, qualitätsvollen und unbefristeten Wohnraum zu schaffen.
Wenn Sie auf die Entwicklung der GESIBA insgesamt blicken – welche Themen werden das Unternehmen Ihrer Meinung nach in den kommenden Jahren am stärksten beschäftigen?
Drei Themen werden (weiterhin) von Bedeutung sein: Erstens Leistbarkeit und Finanzierung, denn Wohnen muss auch unter sich verändernden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bezahlbar bleiben; zweitens ökologischer Wandel und technologische Innovation, von nachhaltigen Baustoffen über Energieoptimierung bis hin zur Digitalisierung, und schließlich soziale Verantwortung: Denn die Frage, wie Menschen wohnen und zusammenleben, wird ebenso wichtig bleiben wie die Frage, wo und zu welchem Preis.
Zum Schluss eine persönliche Frage: Worauf freuen Sie sich am meisten in der Zeit nach Ihrer Tätigkeit bei der GESIBA und was wird Ihnen am meisten fehlen?
Ich habe die Zusammenarbeit mit den Kolleg*innen der GESIBA, die Gespräche im Klartext auf der Basis von Wertschätzung und die gemeinsamen Erfolge in Erfüllung unseres gesellschaftspolitischen Auftrages sehr geschätzt.
Ich gehe mit dem Wissen, dass die Zukunft der GESIBA mit ihren hochqualifizierten Mitarbeitenden in besten Händen liegt und freue mich auf Zeit — Zeit für mich selbst und Familie und vielleicht das eine oder andere Projekt außerhalb der GESIBA, in dem ich meine Expertise einbringen werde.
Foto: © Eva Kelety