
Auch Mähen gehört zum Naturschutz
Wer im Herbst an einer GESIBA-Ökofläche vorbeikommt, erkennt sie kaum wieder. Die üppige Blütenpracht des Sommers ist verblüht, die Farben sind zurückhaltender geworden. Statt bunter Blütenköpfe stehen nun trockene Samenstände in der Wiese und wiegen sich im Wind. Auf den ersten Blick wirkt die Fläche vielleicht ruhiger und für manche auch optisch noch so schön, doch für die Natur ist jetzt eine besonders wichtige Zeit angebrochen.
Viele Pflanzen haben ihren natürlichen Kreislauf von Wachstum, Blüte und Samenbildung abgeschlossen. Nun steht die zweite Mahd an – ein wichtiger Bestandteil der naturnahen Pflege. Denn auch eine Ökofläche braucht zum richtigen Zeitpunkt gezielte Pflege, damit sie langfristig artenreich bleibt.
„Auch das Mähen gehört zum Schutz der Artenvielfalt“, erklärt Johann Gangl, Leiter der Gärtner-Gruppe der GESIBA. Entscheidend ist dabei nicht, möglichst häufig zu mähen, sondern den richtigen Zeitpunkt abzuwarten. Erst wenn die meisten Pflanzen ihren natürlichen Kreislauf abgeschlossen und Samen gebildet haben, wird die Fläche geschnitten.
Wenn aus Blüten neue Wiesen werden
Wer genauer hinsieht, kann auf einer den GESIBA Ökoflächen den Jahreskreislauf beinahe ablesen. Aus den bunten Blüten des Sommers sind Samenstände geworden, die auf den richtigen Moment warten. Ein Teil der Samen wird vom Wind weitergetragen, andere fallen direkt auf den Boden. So trägt jede Pflanze ein kleines Stück zur nächsten Wiesen-Saison bei.
Auch für die Gärtner bedeutet die Mahd mehr als nur das Schneiden von Gras. Sie beobachten die Flächen über das Jahr hinweg und entscheiden je nach Entwicklung, Wetter und Bodenbedingungen, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist. „Man sieht bei der Arbeit sehr schön, wie unterschiedlich sich die einzelnen Flächen entwickeln“, erzählt Johann Gangl. „Manche sind schon weitgehend trocken, während an anderen Stellen noch einzelne Pflanzen blühen. Darauf nehmen wir Rücksicht.“
Die zweite Mahd – ein wichtiger Schritt im Naturkreislauf
Beim Schnitt werden die Pflanzen zurückgenommen und das Mähgut anschließend entfernt. Viele Samen konnten sich bis dahin bereits entwickeln und werden durch natürliche Prozesse auf der Fläche verteilt. So beginnt nach der Mahd bereits die Vorbereitung für die nächste Vegetationsperiode.
Auch das Entfernen des Mähguts ist Teil der naturnahen Pflege. Die darin enthaltenen Nährstoffe gelangen dadurch nicht wieder in den Boden. Die Fläche bleibt dadurch vergleichsweise nährstoffarm, das sind genau jene Bedingungen, unter denen sich viele typische Wildblumen und Wiesenpflanzen wohlfühlen.
Und auch nach dem Mähen ist die Arbeit der Natur nicht vorbei. Zwischen den geschnittenen Halmen finden sich weiterhin kleine Bewohner, die die Wiese als Lebensraum nutzen. Insekten, Spinnen und andere Tiere suchen Schutz in der Vegetation oder ziehen sich in den Boden zurück. Eine gemähte Fläche ist daher keineswegs eine „leere“ Fläche, sie ist vielmehr ein weiterer Abschnitt im natürlichen Kreislauf.
Der richtige Zeitpunkt zählt
Für die Gärtner bedeutet naturnahe Pflege vor allem eines: genau hinschauen. Nicht der Kalender allein entscheidet darüber, wann gemäht wird. Auch das Wetter, die Bodenfeuchtigkeit und der Entwicklungsstand der Pflanzen spielen eine Rolle.
„Wir schauen uns die Flächen regelmäßig an und beurteilen, wie weit die Pflanzen sind“, erklärt Johann Gangl. „Das Ziel ist, so wenig wie möglich einzugreifen – aber so viel wie notwendig.“
Diese Aufmerksamkeit macht den Unterschied. Eine Ökofläche soll nicht möglichst ordentlich aussehen, sondern möglichst vielen Pflanzen und Tieren einen passenden Lebensraum bieten. Was für das menschliche Auge manchmal wild oder unaufgeräumt wirkt, ist für die Natur oft genau richtig.
„Ökoflächen verändern sich im Laufe der Jahreszeiten. Die zweite Mahd schafft Raum für neues Wachstum und trägt gleichzeitig dazu bei, die Artenvielfalt langfristig zu erhalten. Was heute gemäht wird, kann im nächsten Frühjahr wieder blühen“, so Johann Gangl.
Fotos: © Arman Rastegar
