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 © Foto: M. Wache

"Wohnen im Denkmal"

Eine ehemalige Wäscherei in neuem Gewand

Mit der Schlüsselübergabe an die neuen Mieter*innen des Pavillons 55 wurde die vierte Etappe des Revitalisierungsprojekts auf dem ehemaligen Wirtschaftsareal des Otto-Wagner-Spitals offiziell abgeschlossen. Im Rahmen der Feierlichkeiten am 29. Juli erfolgte auch die Präsentation der begleitenden Projektbroschüre "Wohnen im Denkmal", die in Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt entstand. Sie dokumentiert, wie durch das erfolgreiche Zusammenspiel mehrerer Partner aus denkmalgeschützter Bausubstanz in Wien-Penzing leistbarer, moderner und nachhaltiger Wohnraum entstehen konnte.

Eine „denkmalpflegerische Herausforderung“ erfolgreich umgesetzt

Den besonderen Charakter und die kunsthistorische Einzigartigkeit der von Otto Wagner geschaffenen Anlage zu bewahren und sie gleichzeitig einer zukunftsorientierten, nachhaltigen und gemeinnützigen Nutzung zuzuführen, ist keine einfache und obendrein eine äußerst verantwortungsvolle Aufgabe. Ziel war es, ein bedeutendes Stück Wiener Bau- und Kulturgeschichte auch für zukünftige Generationen als lebenswerten Wohn- und Lebensraum zugänglich zu machen.

In enger Zusammenarbeit aller Beteiligten wurden Lösungen entwickelt, die einerseits dem Denkmalschutz voll gerecht werden und andererseits den Anforderungen an modernes, nachhaltiges Wohnen entsprechen. So musste die Außenerscheinung der Gebäude erhalten bleiben, während die ursprüngliche Ausstattung – wie etwa die Originalböden in Stiegenhäusern – mit viel Liebe zum Detail bestmöglich restauriert wurde.

In den ersten zwei von insgesamt vier Bauabschnitten wurden im Oktober 2018 und im November 2021 bereits 175 neue Wohnungen fertiggestellt und übergeben. Ab Sommer 2023 erfolgte – in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt und der Magistratsabteilung für Architektur und Stadtgestaltung der Stadt Wien – die Sanierung und Revitalisierung von fünf denkmalgeschützten Gebäuden auf dem ehemaligen Wirtschaftsareal. Dabei entstanden insgesamt 84 weitere Wohnungen mit Größen zwischen etwa 40 und 94 m².

42 neue Wohnungen in der ehemaligen Zentralwäscherei

Die nunmehr abgeschlossene Sanierung des Pavillons 55 – der ehemaligen Zentralwäscherei – bildete den vierten Abschnitt des Revitalisierungsprojekts. Viele Gebäude des Otto-Wagner-Ensembles hatten ursprünglich eine medizinische Nutzung. Sie in modernen Wohnraum zu verwandeln, war daher alles andere als einfach.

Die ehemalige Wäscherei hat deshalb wohl den größten strukturellen Umbau erfahren. Der Pavillon war ursprünglich quadratisch angelegt – für Wohnzwecke denkbar ungeeignet. Daher entstand die Idee, das gesamte Erscheinungsbild zu adaptieren und einen großzügigen Patio, also einen Innenhof, zu schaffen. Die dort entstandenen Wohnungen orientieren sich nun in Richtung dieses Innenhofs.

Von den insgesamt 42 freifinanzierten 2- bis 4-Zimmer-Mietwohnungen mit Größen zwischen 43 und 120 m² entfällt rund ein Viertel auf sogenannte Sonderwohnformen, etwa „betreubares Wohnen“. Dieses richtet sich an Menschen, die auf Barrierefreiheit angewiesen sind, aber weiterhin selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden leben möchten. Auf dem Areal wurden daher unter anderem Rampenanlagen in ansteigendem Gelände integriert. Zudem wurden die Wohnungen mit rollstuhlgerechten Küchen und Badezimmern ausgestattet.

Im Zuge der Revitalisierung entstanden außerdem ein Hausbetreuungszentrum, Kinder- und Jugendspielplätze sowie zahlreiche weitere attraktive Frei- und Begegnungsräume für Jung und Alt.

Individuelle Frei- und Außenflächen, behutsam integriert

Eine zentrale Voraussetzung für das Bauvorhaben am Otto-Wagner-Areal war für die GESIBA, allen Wohnungen einen eigenen privaten Freiraum zu ermöglichen. Spätestens seit der Pandemie hat sich gezeigt, wie wichtig Balkone, Terrassen oder Gärten im modernen Wohnbau geworden sind.

Umso bedeutender war es, diese Qualitäten auch bei den denkmalgeschützten Pavillons umzusetzen: In enger und konstruktiver Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt konnten Balkone und Terrassen behutsam und unter Berücksichtigung des historischen Bestands ergänzt werden. So entstehen Freiräume, die den heutigen Wohnbedürfnissen entsprechen und gleichzeitig den Charakter des Denkmals respektieren.

Präsentation der begleitenden Broschüre "Wohnen im Denkmal"

Den passenden Rahmen der Schlüsselübergabe nutzten GESIBA-Geschäftsführer Paul Steurer sowie Sylvia Schönolt und Wolfgang H. Salcher vom Bundesdenkmalamt, um die gemeinsam konzipierte Broschüre „Wohnen im Denkmal“ zu präsentieren. Gespickt mit aktuellem und zeitgeschichtlichem Fotomaterial bietet die Broschüre einen anschaulich aufbereiteten Überblick über die historische Bedeutung des Otto-Wagner-Areals sowie über den Prozess seiner behutsamen Revitalisierung und Umnutzung.

„Wir freuen uns, dass wir gemäß unserem Motto ‚Fair Living‘ leistbare Wohnungen in historischem Ambiente geschaffen haben“, zieht GESIBA-Geschäftsführer Paul Steurer Bilanz. „In vielen konstruktiven Gesprächen mit dem Bundesdenkmalamt konnten alle Herausforderungen, die die Adaptierung der denkmalgeschützten Gebäude mit sich gebracht hat, gemeistert werden.“

Wolfgang H. Salcher vom Bundesdenkmalamt verweist auf die Zukunft des Areals: „Die historischen Bauten am Steinhof sind identitätsstiftend, ihre Erhaltung ist eine verantwortungsvolle Aufgabe.“ Mit der Übersiedelung der Musik- und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien werde viel Leben einziehen – zugleich bleibe es für die Mieter*innen ein ruhiger Wohnort im Denkmalpark.

Fotos: © GESIBA