
„Keep calm“ im Aufzug: Wie moderne Technik für Sicherheit sorgt
Es ist ein Albtraumszenario für viele Menschen – nicht nur für Klaustrophobiker: Man bleibt im Aufzug stecken, und niemand kommt zur Hilfe. Was man sonst bestenfalls aus Filmen kennt, wurde vergangenes Jahr in Spanien Realität: Dort fiel im April der Strom viele Stunden lang aus, während Tausende Menschen in Aufzügen festsaßen. Die gute Nachricht: Moderne Aufzuganlagen sind heute so konzipiert, dass Fahrgäste bei einem Stromausfall sicher ins Freie gelangen können.
Mit einem großflächigen Stromausfall – auch „Blackout“ genannt – verbinden viele Menschen eine Vielzahl an Sorgen. Eine davon: Was passiert, wenn der Strom ausfällt und man genau in diesem Moment im Aufzug steht? Bleibt er dann zwischen den Stockwerken „stecken"? Kann er gar abstürzen? Bin ich dann komplett von der Außenwelt abgeschnitten?
Die beruhigende Antwort auf diese Fragen ist ein einheitliches „Nein". In den meisten neueren Fahrstühlen ist bereits eine automatische Notbefreiung integriert. Fällt also der Strom aus, übernimmt eine kleine Energiequelle im Inneren der Anlage – meist ein Akku – kurzfristig die Stromversorgung. So fährt der Aufzug kontrolliert zur nächsten Etage und öffnet dort die Türen, damit die Fahrgäste wohlbehalten aussteigen können – und zwar auch dann, wenn das öffentliche Stromnetz bereits ausgefallen ist. Die Sicherheit der Fahrgäste ist also auch im „stromlosen" Betrieb immer gegeben.
„In einem Aufzug steckt mehr Technik, als man vermuten würde"
Manche Anlagen nutzen dafür eine Art Mini-Notstromversorgung, ähnlich wie man sie von Computer-Servern kennt. Diese Systeme liefern für kurze Zeit genug Energie, damit der Aufzug eine sogenannte Evakuierungsfahrt durchführen kann. In einem Aufzug steckt also deutlich mehr Technik, als man auf den ersten Blick wohl vermuten würde: etwa auch Module zur Fernüberwachung, Sensoren zur technischen Analyse der Anlage oder eben das System für den Notruf. Dieses sorgt dann dafür, dass eingeschlossene Menschen via Knopfdruck jederzeit Kontakt zu einer Notrufzentrale aufnehmen können.
„Bei Stromunterbrechungen sind in jeder Aufzugskabine gesetzlich eine Notbeleuchtung mit minimaler Lichtstärke zur Orientierung sowie ein akkugepuffertes Notrufsystem vorgeschrieben. Für diese Fälle – ebenso wie bei Störungen – steht ein Notrufknopf zur Verfügung. Nach dessen Betätigung und dem Verbindungsaufbau meldet sich ein Disponent aus der Notrufzentrale", so Thomas Schwarz, Techniker bei der GESIBA und Experte für Aufzuganlagen.
„Keine Panik" bei Blackout im Aufzug
Wer also bei einem Stromausfall im Aufzug steht, muss nicht in Panik geraten. Expert*innen raten in einem solchen Fall vor allem dazu, ruhig zu bleiben. Auch dass man in einem Aufzug mit mehreren anderen Menschen nach einiger Zeit ersticken würde, ist ein Mythos: Aufzugskabinen sind stets belüftet, sodass keine Gefahr besteht, dass die Luft ausgeht.
Keinesfalls sollte man versuchen, die Türen gewaltsam selbst zu öffnen. Aufzüge sind mit vielen Sicherheitssystemen ausgestattet. Gewaltiges Öffnen kann Mechanismen beschädigen oder blockieren, was eine Befreiung durch Techniker*innen oder Feuerwehr schwieriger machen kann. Außerdem kann der Aufzug sich auch nach Stillstand plötzlich wieder bewegen, zum Beispiel wenn der Strom plötzlich zurückkommt oder eben ein Notbetrieb startet. Wenn in diesem Moment ein Fahrgast versucht auszusteigen, besteht unter Umständen erhebliche Verletzungsgefahr.
„Bei der GESIBA werden auch die Hausbetreuer für eine mögliche Notbefreiung bei einem Blackout geschult. Im Ernstfall stehen damit neben der Liftfirma auch das Hausbetreuer-Team und – als letzte Option – die Feuerwehr zur Verfügung. Sollte die Verbindung zur Notrufzentrale nicht funktionieren, kann man sich ebenfalls an Hausbetreuung oder Feuerwehr wenden. Ein steckengebliebener Aufzug ist daher kein Grund zur Panik", so Ing. Schwarz.
GESIBA-Aufzuganlagen für Stromausfälle gerüstet
Die GESIBA beschäftigt sich schon lange intensiv mit dem Thema „Blackout-Vorsorge“. So gelten in GESIBA-Neubauten Aufzüge mit automatischen Notevakuierungssystemen bereits als Standard. In bereits bestehenden Anlagen wurde bis Ende 2025 „nachgerüstet“.
„Das Ziel für 2025 wurde erreicht, die Nachrüstung wird nun schrittweise fortgesetzt. Bereits ausgestattet sind Aufzüge neuester Generation sowie modernisierte Anlagen der vergangenen sieben Jahre. Auch künftige Modernisierungen sollen standardmäßig eine Blackout-Notbefreiungseinrichtung erhalten. Viele einfache Nachrüstungen sind bereits beauftragt und werden in den kommenden Monaten umgesetzt", erzählt der GESIBA-Experte Thomas Schwarz.
Fotos: © GESIBA
