
Nachhaltigkeit bei der GESIBA: „Wir machen den Wohnbau klima- und zukunftsfit“
Für die GESIBA bedeutet Nachhaltigkeit, leistbaren und qualitativ hochwertigen Wohnraum zu sichern und gleichzeitig Maßnahmen zu setzen, um ihre Neubau- und Bestandswohnungen klima- und zukunftsfit zu machen. Im Gespräch erläutern Silke Hofer-Stütz und Gerald Berger von der Stabsstelle Nachhaltigkeit, welche Rolle Klimaschutz und Klimaanpassung dabei spielen, wie der Ausstieg aus fossilen Energieträgern vorangetrieben wird und warum Ökoflächen einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität und Lebensqualität leisten
Interviewer: Wir alle erleben dieser Tage, welche dramatischen Auswirkungen die voranschreitende Erderwärmung auf unser aller Leben hat – dürrebedingte Milliardenschäden in der Landwirtschaft, ausgetrocknete Seen, Wasserknappheit in vielen Gemeinden, steigende Gesundheitsrisiken für vulnerable Menschen etc. Welche Verantwortung sehen Sie angesichts dieser Entwicklung konkret für einen gemeinnützigen Bauträger wie die GESIBA?
Silke Hofer-Stütz: Ich sehe eine große Verantwortung für ein Unternehmen wie die GESIBA. Trotz all der von Ihnen angesprochenen Veränderungen, die wir im Zusammenhang mit dem Klimawandel bereits sehr stark und zukünftig wohl noch viel stärker erleben werden, müssen wir weiterhin unserer Aufgabe als gemeinnützige Wohnbaugesellschaft gerecht werden: leistbaren und qualitätsvollen Wohnbau und damit Lebensqualität für unsere Bewohnerinnen und Bewohner zu schaffen. Da sehen wir uns sehr in der Pflicht.
Gerald Berger: Diese hohe Qualität auch vor dem Hintergrund der Klimakrise zu garantieren und gleichzeitig die Emissionen zu senken, ist eine enorme Aufgabe. Wir setzen uns als Unternehmen daher das klare Ziel, Klimaschutz zu betreiben, weniger zu emittieren, die Klimaneutralität zu erreichen sowie Maßnahmen für die Klimaanpassung zu setzen.
Konkret bedeutet das Maßnahmen wie die Steigerung der Energieeffizienz und die Durchführung thermischer Sanierungen, aber auch natürliche Beschattungen und Gebäudebegrünungen. Damit sparen sich auch unsere Bewohnerinnen und Bewohner Kosten, wenn im Winter weniger geheizt werden muss und im Sommer ein natürlich kühleres Mikroklima in den Wohnhausanlagen entsteht.
Interviewer: Wie definiert die GESIBA den Begriff „Nachhaltigkeit“, welche Bedeutung hat das Thema aktuell im Unternehmen und wie stark ist es strategisch verankert?
Silke Hofer-Stütz: Nachhaltigkeit steht für uns für gelebte Verantwortung auf ganzheitlicher Ebene – ökologisch, sozial, aber auch wirtschaftlich.
Gerald Berger: Als Ende letzten Jahres die erste GESIBA-Nachhaltigkeitsstrategie von der Geschäftsführung verabschiedet und dem Aufsichtsrat präsentiert wurde, war das definitiv ein Meilenstein für unser Unternehmen. Die GESIBA hatte sich in der Vergangenheit natürlich auch schon mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandergesetzt. Nun unterscheidet sich unsere Arbeitsweise dahingehend, dass all diese Themen in einem strategischen Nachhaltigkeitsmanagement zusammengeführt wurden und bei allen Unternehmensentscheidungen berücksichtigt werden.
Nachhaltigkeit ist damit nicht mehr nur ein Randthema in einer kleinen Abteilung, sondern wird von Beginn an bei sämtlichen Entscheidungen des Unternehmens mitgedacht. Das bedeutet auch einen Transformationsprozess innerhalb des Unternehmens, der zu einer stärkeren Zusammenarbeit aller Abteilungen führt. Die Nachhaltigkeitsstrategie wurde gemeinsam mit allen Abteilungen entwickelt und bündelt die technische, wirtschaftliche und soziale Kompetenz unserer Kolleginnen und Kollegen – von der Planung und Bauabteilung bis zur Hausbetreuung.
Im nächsten Schritt geht es jetzt darum, die in der Nachhaltigkeitsstrategie definierten Ziele – insbesondere die Erreichung der Klimaneutralität bis 2040 – in konkrete Maßnahmen herunterzubrechen, die nicht nur für das Unternehmen, sondern natürlich auch für unsere Bewohnerinnen und Bewohner relevant sind.
Interviewer: Ein wichtiger und viel diskutierter Aspekt – auch auf bundes- und kommunalpolitischer Ebene – ist das Thema „Reduktion fossiler Energieträger“ (Stichwort: „Raus aus dem Gas“) beziehungsweise der damit verbundene Umstieg auf erneuerbare Energiequellen. Welchen Beitrag leistet die GESIBA hier konkret?
Silke Hofer-Stütz: 2024 wurde dafür eine eigene Abteilung gegründet: die Dekarbonisierungsabteilung. Mittlerweile kümmern sich elf Kolleginnen und Kollegen ausschließlich um dieses Thema.
Bei Neubauten setzen wir inzwischen ausschließlich auf erneuerbare Energien. Die große Aufgabe ist, bei Bestandsobjekten aus Gas als Energieträger herauszukommen. Verbunden mit thermischen Sanierungen sind das langfristige Vorhaben, die technisch gut geplant werden müssen. Gleichzeitig darf die soziale Komponente nicht vergessen werden: Wir müssen unsere Bewohnerinnen und Bewohner bei diesem Thema abholen und mitnehmen.
Auch wirtschaftliche Aspekte und die Langfristigkeit spielen eine wichtige Rolle. Am Ende kommen diese Investitionen natürlich unseren Bewohnerinnen und Bewohnern zugute, weil durch die Umstellung zum Teil die Betriebskosten und die Energiekosten gesenkt werden. Der gesamte Umstieg macht also nicht nur aus Klimasicht Sinn, sondern auch finanziell für die Menschen.
Gerald Berger: Eines der Paradebeispiele hierfür ist in diesem Jahr der Wohnpark Alt-Erlaa. Es handelt sich dabei um das größte thermische Sanierungsprojekt Österreichs. Insgesamt werden 3.000 Wohnungen mehr oder weniger gleichzeitig saniert. 24.000 in die Jahre gekommene Fenster werden getauscht und 780 Tiefensonden für CO₂-freies Heizen und Kühlen in den Boden gesetzt.
Interviewer: Die Ökoflächen sind heuer ein Schwerpunktthema der Stabsstelle Nachhaltigkeit, auch in unserem Newsletter „FAIRLIVING“ – was genau versteht man darunter und welchen Mehrwert bringen diese Flächen für Mensch und Umwelt?
Silke Hofer-Stütz: Ökoflächen sind, salopp gesagt, Grünflächen, die deutlich weniger gemäht werden – bei uns maximal dreimal im Jahr, meistens sogar nur zweimal. Es werden somit ökologisch hochwertige Lebensräume für Pflanzen und Tiere geschaffen und damit wird die Artenvielfalt in der Stadt unterstützt. Eine Ökofläche wirkt außerdem als Feinstaubfilter, und man merkt auch, dass die Temperatur im Bereich einer Ökofläche niedriger ist. Es herrscht dort ein anderes Mikroklima.
Gleichzeitig haben Ökoflächen einen positiven Einfluss auf die Lebensqualität unserer Bewohnerinnen und Bewohner. Und dann gibt es noch einen wirtschaftlichen Faktor: Dadurch, dass die Ökoflächen weniger gepflegt und gegossen werden müssen, gibt es Einsparungen in der Bewirtschaftung, was sich letztlich auch positiv auf die Betriebskosten auswirkt.
Wir haben mittlerweile 80.000 Quadratmeter Grundfläche in Ökoflächen umgewandelt. Das entspricht ungefähr zwölf Fußballfeldern, verteilt auf insgesamt 30 unterschiedliche Wohnhausanlagen.
Interviewer: Welche Projekte sind in der GESIBA derzeit im Hinblick auf das Thema Nachhaltigkeit und CO2-Einsparungen besonders prägend?
Silke Hofer-Stütz: Zwei aktuelle Beispiele möchte ich anführen, die zeigen, wie umfassende Sanierungen der GESIBA Energieeffizienz, Klimaschutz, Nachhaltigkeit und den Schutz vor sommerlicher Überwärmung miteinander verbinden und gleichzeitig die Wohnqualität erhöhen: In der Siccardsburggasse 83–85 im 10. Bezirk wird eine Wohnhausanlage mit über 100 Wohnungen und mehr als 10.000 m² Wohnfläche thermisch und energetisch saniert – mit einer neuen ökologischen Fassadendämmung aus Hanf, einem Fenstertausch samt außenliegendem Sonnenschutz, Gründächern, einer Photovoltaikanlage, neuen Balkonen, einer modernisierten Außenanlage sowie einer barrierefreien Erschließung. Der Energieverbrauch wird dabei um mehr als die Hälfte reduziert.
Am Weinwurmweg 1 im 22. Bezirk werden 62 Reihenhäuser mit über 7.000 m² Wohnfläche umfassend erneuert: Neben Gründach, Photovoltaik, Fassaden- und Kellerdeckendämmung sowie über 600 neuen 3-fach-verglasten Holz-Alu-Fenstern mit außenliegendem Sonnenschutz, werden die bestehenden Gasthermen im Zuge von „Raus aus Gas“ durch effiziente Wärmepumpen ersetzt. Auch bei diesem Projekte schaffen wir es, den Energieverbrauch mehr als zu halbieren.
Gerald Berger: Beide Projekte verbinden damit energetische Verbesserungen mit ökologischen Maßnahmen und einer nachhaltigen Weiterentwicklung unseres Bestands. Insgesamt sanieren wir derzeit sechs Bestandsobjekte im Sinne der Dekarbonisierung. Dabei ergeben sich, je nach Objekt, Energiemedium und Strommix, CO2-Einsparungen von 34–98%.