
Unterwegs mit Chefgärtner Gangl: Natur erleben im Wohnpark Alt-Erlaa
Die meisten der rund 8.000 Bewohner*innen, die täglich durch den Wohnpark Alt-Erlaa spazieren, ahnen nicht, welche Naturschätze sich direkt vor ihrer Haustür verbergen. Die vom engagierten GESIBA-Chefgärtner Johann Gangl organisierten Führungen durch den Wohnpark haben es zum Ziel, das Bewusstsein der Teilnehmer*innen zu schärfen, zu sensibilisieren und deren Neugierde zu wecken für eine beeindruckende ökologische Vielfalt, die im hektischen Alltag oft übersehen wird.
Eines stellt Johann Gangl gleich im Zuge der Begrüßung klar: „Eine Ökofläche ist, bitteschön, keine Blumenwiese." Während Letztere meist gezielt angelegt und gestaltet wird, erklärt der gebürtige Illmitzer, ist Erstere der natürlichen Entwicklung überlassen. „Durch den natürlichen Samenflug nach der einmaligen Aussaat entsteht so eine Pflanzengesellschaft, die an die örtlichen Wasser-, Licht- und Bodenverhältnisse optimal angepasst ist.", erklärt Gangl. So entstehen naturnahe Lebensräume mit Biodiversität, besserer Beschattung, geringerem Wasserbedarf und weniger Pflegeeingriffen.
„Rund ein Drittel des Wohnparks sind Rasen-, Baum- und Strauchflächen."
Im Zuge der Führung durch den Harry-Glück-Park hält der Chefgärtner gleich an mehreren Stationen, teilt spannende Wohnpark-Anekdoten und beantwortet so manche Frage der Teilnehmer*innen. „Im Wohnpark Alterlaa ist ca. die Hälfte der 24-Hektar-Gesamtfläche unverbaut. Über ein Drittel dieser Rasen-, Baum- und Strauchflächen wird ausschließlich ökologisch bewirtschaftet", erklärt Gangl. Er und sein Team sind stets auf der Suche nach umweltschonenden, intelligenten Methoden, um auch im dicht besiedelten Raum möglichst harmonisch und im Einklang mit der Natur zu arbeiten. Seit 2019 wird im Wohnpark auf Mittel gegen tierische Schädlinge vollständig verzichtet. Auch gedüngt wird nur sparsam – und ausschließlich biologisch.
1.800 Bäume, 65 verschiedene Baumarten – der Wohnpark als grüne Oase
Etwa 1.800 baumschutzrelevante Bäume – darunter zahlreiche Jungbäume – prägen das Erscheinungsbild des Wohnparks Alterlaa. Dazu zählen einerseits die altbekannten „Klassiker" wie Eibe, Föhre, Birke oder Eiche, aber auch Exoten wie Ginkgo oder der Wacholder, der ursprünglich aus dem Libanon kommt.
Was wohl viele nicht wissen: „In Wien ist jeder Baum mit einem Stammumfang von über 40 cm ein sogenannter baumschutzrelevanter Baum und somit bewilligungs- und meldepflichtig", erklärt Johann Gangl. „Damit haben wir hier in Wien eines der strengsten Baumschutzgesetze Europas."
Die Bäume in Alterlaa sind nicht nur schön anzusehen – sie leisten auch einen bedeutenden Beitrag zu Biodiversität, Klimaanpassung (z.B. durch bessere Beschattung) und Lebensqualität für die Bewohner*innen. An vielen Bäumen hat Gangls Team Plaketten mit den jeweiligen Baumnamen angebracht, sodass sich die Natur für die Menschen auch als Lernraum entdecken lässt.
Die Rückkehr des Eichhörnchens
Nicht nur die Flora, auch die Fauna kommt im Wohnpark nicht zu kurz. Manche Tierarten waren vor einem Jahrzehnt kaum noch anzutreffen, fanden jedoch wieder zurück hierher nach Wien-Liesing – auch dank der nachhaltigen, ökologischen Bewirtschaftung der Anlage. „Wir zählten unlängst rund 60 Eichhörnchen, die hier im Wohnpark herumschwirren. Vor 20 Jahren gab es kaum noch welche. Ich führe das auf die vielen Haselnussbäume zurück, und auf die Flächen, wo die Tiere in Ruhe ihre Brut verrichten und Junge hochziehen können", erklärt der Chefgärtner. Für andere Tiere werden wiederum bewusst Lebensräume geschaffen: So bleiben etwa einzelne Trauerweiden für Spechte erhalten, sofern dies risikofrei möglich ist.
„Man kann es nie allen recht machen"
Die Lebensentwürfe der Bewohner*innen im Wohnpark sind ebenso divers wie die Anlage selbst. Der oft zitierte Satz „Es jedem Menschen recht getan ist eine Kunst, die niemand kann" behält auch hier seine Gültigkeit. Entscheidungen rund um die ökologische Gestaltung und Pflege der Grünanlagen müssen folglich gut abgewogen werden.
Während z. B. Laubbläser nicht nur Lärm machen, sondern auch das ökologische Gleichgewicht und den natürlichen Lebensraum von Kleinstlebewesen stören, kann leider dennoch nicht zur Gänze auf sie verzichtet werden - auch wenn Gangl das gerne würde. „Wir versuchen, Laubbläser so wenig wie nur irgendwie möglich einzusetzen. Wir müssen die Gehwege im Wohnpark aber säubern, damit uns Bewohner*innen sich dort sicher fortbewegen können. Stürzt zum Beispiel jemand auf einer befestigten Fläche wegen nassen Laubs, so sind wir verantwortlich.", erklärt Gangl.
„Die Menschen fühlen sich für ihren Wohnpark verantwortlich"
Dass der Wohnpark so gepflegt und lebenswert wirkt, ist jedoch nicht nur das Verdienst des Gärtnerteams. Man merkt, dass Alterlaa eine große Gemeinschaft ist, in der sich die hier lebenden Menschen für "ihren" Lebensraum mitverantwortlich fühlen. So wird kaum etwas achtlos weggeworfen, und auch der Hundekot, der vor zwei Jahrzehnten noch ein Problem war, wird heute viel konsequenter weggeräumt. „Wenn es mit den Hundebesitzern in Wien überall so gut liefe wie in Alterlaa, wäre das super", lobt Gangl.
Die Führungen mit Herrn Gangl sind weit mehr als reine Informationsangebote. Sie schaffen Bewusstsein für die Natur im unmittelbaren Lebensumfeld und bieten zugleich die Möglichkeit, mit Bewohner*innen direkt ins Gespräch zu kommen – nicht nur dann, wenn es Probleme gibt.
Ein besonderes Anliegen ist es Gangl, diesen Zugang zur Natur künftig auch an die jüngsten Bewohner*innen zu vermitteln: Geplant ist daher, die Ökoflächen-Spaziergänge in Zukunft auch eigens für Kinder zu organisieren. Gerade im Kindesalter wird alles Neue über die Sinnesorgane förmlich aufgesaugt – Kinder lernen ihre unmittelbare natürliche Umgebung spielerisch bzw. durch Tasten, Sehen und Riechen kennen und begreifen und entwickeln einen Bezug zur Natur.
Foto: © R.Gartner/ GESIBA




