
Ökoflächen: Wenn Wiesen "unordentlich" sein dürfen
Im Bereich der nachhaltigen Stadtgestaltung setzt die Gärtner-Gruppe der GESIBA unter der Leitung von Johann Gangl zunehmend auf naturnahe Pflegemethoden. Im Gespräch mit FAIRLIVING erzählt Gangl, warum der Trend zum perfekt gepflegten Zierrasen nicht immer ökologisch sinnvoll ist und welche Vorteile eine nachhaltigere Pflege von Grünflächen bietet.
„Ein gepflegter Zierrasen, wie man ihn häufig aus traditionellen Gärten kennt, entspricht kaum den natürlichen Gegebenheiten unserer Region“, erklärt Johann Gangl. Dennoch verbinden viele Menschen mit Gartenpflege genau dieses Idealbild. Ein solcher Rasen erfordert jedoch regelmäßiges Mähen, Düngen und intensive Pflege – Maßnahmen, die sowohl Kosten verursachen als auch die Umwelt belasten können.
Die GESIBA geht deshalb einen anderen Weg: Wo immer es möglich ist, setzt das Unternehmen auf sogenannte Ökoflächen. Diese werden weniger intensiv gepflegt und nur ein- bis maximal dreimal im Jahr gemäht. Dadurch können sich artenreiche Wiesen entwickeln, die Insekten und Vögeln wichtige Lebensräume bieten und einen wertvollen Beitrag zur Förderung der biologischen Vielfalt leisten.
Hier geht's zum Ökoflächentagebuch
Warum weniger Pflege ökologisch sinnvoll ist
„Die Natur erledigt vieles von selbst“, sagt Johann Gangl. Entscheidend sei, natürlichen Prozessen mehr Raum zu geben, anstatt Grünflächen in eine perfekte, aber künstliche Form zu bringen. Das bedeutet nicht nur weniger Pflegeaufwand, sondern auch einen geringeren Einsatz von Ressourcen. „Was für viele Menschen wild wirkt, ist in Wirklichkeit ein sorgfältig strukturierter Lebensraum.“
Auf naturnah gestalteten Flächen entwickeln sich – abhängig von den jeweiligen Standortbedingungen – Pflanzengesellschaften, die nur wenig menschliches Eingreifen benötigen. Mit der Zeit stellt sich ein stabiles Gleichgewicht zwischen Boden, Pflanzen und Tierwelt ein.

Nachhaltigkeit als ökonomische Strategie
Neben den ökologischen Vorteilen spielt auch die wirtschaftliche Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle. Die Pflege von Zierrasen und intensiv bewirtschafteten Grünflächen ist auf Dauer mit hohem Aufwand verbunden – sowohl hinsichtlich der benötigten Arbeitszeit als auch der eingesetzten Ressourcen.
Gangl betont daher, dass mehr „Naturbelassenheit“ und weniger „Ordnung“ im Garten nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich klug sind. Pflanzen, die an die lokalen Bedingungen angepasst sind und weniger Pflege benötigen, verursachen langfristig geringere Kosten, da sie seltener betreut werden müssen.
Bewusstsein schaffen für nachhaltige Pflege
„Nachhaltigkeit funktioniert nur dann, wenn wir ein Bewusstsein für die Notwendigkeit dieser Maßnahmen schaffen“, erklärt Johann Gangl. Bewusstseinsbildung ist deshalb ein wichtiger Teil der Arbeit der Gärtner-Gruppe der GESIBA.
Gemeinsam mit seinem Team sowie den Hausbetreuer*innen steht Gangl den Bewohner*innen bei Fragen gerne zur Verfügung und erklärt die Hintergründe der naturnahen Pflege. Denn nachhaltige Grünraumbewirtschaftung bedeutet nicht nur, die richtigen Maßnahmen umzusetzen – sondern auch zu vermitteln, warum diese Veränderungen langfristig sinnvoll sind.
Naturnahe Flächen bieten wichtige Lebensräume für Tiere und fördern die Artenvielfalt. Davon profitieren nicht nur Insekten und Vögel, sondern auch das Stadtbild und die Lebensqualität der Menschen.
Ein Schritt in Richtung Zukunft
Dort, wo es möglich und sinnvoll ist, stellt die GESIBA daher von klassischen Zierrasenflächen auf Ökoflächen um. „Weniger Eingriffe, mehr Vielfalt und ein geringerer Ressourcenverbrauch sind nicht nur gut für die Natur, sondern auch für das Budget“, sagt Gangl.
Diese Prinzipien werden bereits in mehreren Wohnhausanlagen umgesetzt – etwa in der Händelgasse, der Gußriegelstraße, der Reizenpfenninggasse sowie im Wohnpark Alterlaa.
Fazit: Nachhaltige Grünräume für die Stadt von morgen
Der Schritt von intensiv gepflegten Zierrasenflächen hin zu naturnahen Ökoflächen ist ein wichtiger Beitrag zu einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Stadtentwicklung. Johann Gangl, sein Gärtnerteam und die Hausbetreuer*innen in den GESIBA-Wohnhausanlagen zeigen mit ihrer täglichen Arbeit, dass umweltfreundliche Pflege nicht nur der Natur zugutekommt, sondern auch wirtschaftliche Vorteile mit sich bringt.
Der Schlüssel liegt in einem bewussten Umgang mit natürlichen Ressourcen und in der Bereitschaft, gewohnte Pflegemethoden zu hinterfragen und weiterzuentwickeln.
„Es geht darum, der Natur mehr Raum zu geben – und zu erkennen, dass nachhaltiges Handeln langfristig immer die bessere Wahl ist“, fasst Gangl zusammen.
Johann Gangl und das Gärtnerteam der GESIBA setzen auf umweltschonende Methoden, die das Grün der Städte langfristig lebenswert machen. Ihr Fokus liegt dabei nicht nur auf der Natur, sondern auch auf der Bewusstseinsbildung – für eine nachhaltige Zukunft in unseren urbanen Räumen.
Foto: © GESIBA